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Noch mehr Web Accessibility Expertise bei gugler* brand & digital

17. Juli 2019

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Zwei Personen halten ein Zertifikat in den Händen

Elisabeth Zeilinger, Teamleiterin der Medientechnik, und Martin Kirchner, Mediendesigner, sind seit wenigen Tagen offizielle Web Accessibility Experts. Als nachhaltige Agentur mit Schwerpunkt Barrierefreiheit sind wir froh und stolz, dass wieder zwei unserer MitarbeiterInnen diese Zertifizierung erhalten haben. Was aber war die Motivation von Elisabeth und Martin, sich der Prüfung zu stellen, eine Menge an Fachliteratur zu lesen und den Stoff zu pauken?

 

Web Accessibility Expert: Diese nach ISO 17024 akkreditierte Personenzertifizierung „Certified Web Accessibility Expert“ entspricht den international gültigen Standards und genießt daher weltweite Anerkennung. Martin Kirchner, Mediendesigner: „Für mich ist das Zertifikat ein Qualitätssiegel – eigentlich würde jeder Entwickler dieses Wissen brauchen. Leider ist dieses Bewusstsein nicht sehr verbreitet.“

Webentwicklerin Elisabeth Zeilinger ergänzt: “Der Alltag eines Entwicklers ist oftmals stressig. Viele verzichten auf Barrierefreiheit, weil sie meinen, dass die Zeit fehlt. Und viele Kunden glauben, dass eine Website fertig und funktional ist, obwohl sie gar nicht einschätzen oder überprüfen können, ob eine Seite für wirklich alle zugänglich ist.“

In der Informationsbroschüre zum Web Accessibility Expert heißt es: „Barrierefreies Webdesign ist ein wichtiger Beitrag zu einer offenen und demokratischen Informationsgesellschaft. Informations- und Kommunikationstechnologie ist Werkzeug und Chance für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen, aber eben nur, wenn Inhalte und Interaktion barrierefrei gestaltet werden. Barrierefreiheit verlangt, dass sich Webseiten an die individuellen Bedürfnisse und Geräte („Assistierende Technologien“, um Sehbehinderung, Hörbehinderung, motorische Behinderungen und kognitive Behinderungen zu kompensieren) anpassen. Dies ist in seiner politischen und wirtschaftlichen Bedeutung anerkannt und gesetzlich verankert (z. B. eGovernment-Gesetz, Behindertengleichstellungsgesetz, EU-Direktiven EN 301 549). Der öffentliche Sektor ist verpflichtet, Barrierefreiheit in allen Ausschreibungen zu berücksichtigen.“

15 bis 20 Prozent aller Menschen haben temporär oder dauerhaft mit Einschränkungen zu kämpfen. Viele wissen etwa, dass blinde oder sehr sehschwache Menschen sich den Content einer Website vorlesen lassen. Screenreader sind heute bei vielen Devices Standardsoftware. Diese Programme arbeiten aber nur dann effektiv, wenn die Struktur einer Seite dementsprechend aufgebaut und getaggt ist.

Kennen Sie einen Menschen in Ihrer Umgebung, der rot-grün-blind ist? Ja? Und dann stellen Sie sich vor, dieser Mensch wird auf einer Website aufgefordert, auf das Feld mit dem roten Rahmen zu klicken. Blöd, oder?

Aber es geht längst nicht nur um Menschen mit Sehschwäche. Barrierefreiheit fängt bei untertitelten Videos an (was für gehörlose Menschen genauso praktisch ist wie für Leute, die gerade in der Bahn sitzen und nicht alle rundum beschallen möchten) und hört bei Texten in Leichter Sprache auf (was für alle zum schnellen Erfassen von Inhalten bequem ist, aber gerade für Menschen mit nicht-deutscher Muttersprache oder niedrigem Bildungsgrad im Alltag ungemein hilft). Je nachdem, ob Menschen motorische, auditive, visuelle oder kognitive Einschränkungen haben: Eine barrierefrei aufbereitete Website nimmt auf alle Gruppen Rücksicht und ermöglicht es, ohne fremde Hilfe Informationen zu finden und abzurufen.

Warum gerade alle von Barrierefreiheit sprechen

Vor Kurzem wurde das Bundesgesetz über den barrierefreien Zugang zu Websites und mobilen Anwendungen des Bundes (Web-Zugänglichkeits-Gesetz – WZG) vom Nationalrat beschlossen. Das Inkrafttreten des Gesetzes hat direkte Auswirkungen auf die Webseiten der öffentlichen Hand, auf Bund, Länder und Gemeinden und auch beinahe alle „staatsnahen“ Organisationen und Verbände. Endlich, denn die Web-Zugänglichkeits-Richtlinie ist bereits am 22. Dezember 2016 in Kraft getreten und hätte eigentlich schon bis 23. September 2018 in den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden sollen. Österreich war im Verzug. Nun gilt Folgendes: Auf Webinhalte, die vor dem 23. September 2018 veröffentlicht worden sind („alte“ Inhalte), sind die nationalen Bestimmungen ab 23. September 2020 anzuwenden ; auf jene Webinhalte, die nach dem 23. September 2018 veröffentlicht werden („neue“ Inhalte), sind die nationalen Vorschriften bereits ab dem 23. September 2019 anzuwenden. Auf mobile Anwendungen sind die nationalen Vorschriften ab dem 23. Juni 2021 anzuwenden. Und bis alle Webseiten der öffentlichen Hand wirklich barrierefrei sind – im Idealfall barrierefrei zertifiziert (WACA) – muss noch einiges passieren. Wir haben dafür die Profis!

Wie schwierig war die Vorbereitung auf die Zertifizierung?

„Vieles, was ich in der Vorbereitung gelernt habe, sind Best-Practice-Sachen“, erzählt Elisabeth Zeilinger, „also Anwendungen, die für Accessibility sorgen und gleichzeitig für eine gute Performance, denn z. B. Screenreader verwenden eine ähnliche Technik wie Crawler.“ Die barrierefreien Inhalte einer Website sorgen auch für eine gute Reihung bei den Suchmaschinen. 

Martin Kirchner erzählt auch sehr offen über eine gewisse Ablehnung, die er zu Anfang überwinden musste: “Accessibility macht am Anfang nicht so viel Spaß und ist vielleicht nicht ganz so fancy. Die Erfahrung zeigt aber, wie wichtig Accessibility ist und dass es einen echt weiterbringt!”

Nachdem beide bereits seit einigen Jahren für gugler* brand & digital arbeiten war Barrierefreiheit für die beiden nichts Neues. “Trotzdem”, erzählt Lisi Zeilinger, “musste ich in der Vorbereitung auf die Zertifizierung einige Sachen umlernen, eingefahrene Wege verlassen und erkennen, was der richtige, der gute Weg ist, wie man eine Website macht.” Im Zuge dieses Lernprozesses hat sie das Gelernte auch mit aktuellen Projekten abgeglichen. Heute ist es Lisis persönliche Motivation, ihre Erfahrungen mit anderen Entwicklern zu teilen, denn: “Diese 15 % klingen wie eine vernachlässigbare Größe, dabei leben wir in einer alternden Gesellschaft, in der es immer mehr Menschen gibt, die nicht mehr so gut sehen und hören und deren Feinmotorik nachlässt.”

gugler* brand & digital: Geht noch mehr barrierefrei?

Wenn man bei gugler* brand & digital zu arbeiten beginnt, entkommt man der Barrierefreiheit nicht. Haben unsere beiden Web Accessibility Experts noch viel dazulernen müssen? Oder waren die Grundvoraussetzungen schon gegeben?

Elisabeth Zeilinger fasst zusammen: “Bei uns in der Agentur ist schon sehr viel passiert. Jetzt kommt es darauf an, uns nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern das gesamte Team sukzessive weiterzubilden und nicht darauf zu vergessen, neue Teammitglieder ins Boot zu holen. Das betrifft Kundenberater genau so wie Kreative und Techniker. Mein Ziel ist es, mein Wissen zukünftig auch andere Agenturen, Webentwickler und Webdesigner weiterzugeben – so viele Web Accessibility Experts gibt es ja noch nicht!” In ganz Österreich sind es erst 18, genau 4 davon sitzen in Niederösterreich, Martin und Lisi sind Teammitglieder bei gugler*. Drei Jahre lang ist das Zertifikat der WKO gültig, nur nach erfolgreicher Rezertifizierung darf man sich weiterhin Web Accessibility Expert nennen.

Wie könnte das Bewusstsein für Barrierefreiheit gesteigert werden?

Dazu haben Lisi und Martin gleich mehrere Ideen parat. “Accessibility sollte ein Kriterium bei Awards sein. Nur wer Websites macht, die für alle Menschen zugänglich sind, sollte dafür auch Preise gewinnen”, meint Martin Kirchner. Und Lisi setzt noch eines oben drauf: “Wenn die gängigsten Suchmaschinen und Webbrowser eine neue Version rausbringen, wo alles, was nicht barrierefrei ist, rot markiert wird, dann würde da wirklich etwas weitergehen. Kann man da jemanden von Google taggen?” sagt sie und lacht dabei. Martin würde schon bei der Grundausbildung ansetzen: “Die Ausbildung in HTLs sollte unbedingt Accessibility beinhalten.”

Sandra Kettinger

Über Sandra Kettinger

Hat schon als Kind die Empfehlung bekommen, aufgrund der Menge an verbrauchten Wörtern pro Tag zum Radio zu gehen. Hat den Rat beherzigt und „irgendwas mit Medien“ gemacht. Liebt es, gemeinsam mit dem Kunden Strategien zu entwickeln und diese mit einem möglichst quirligen Team umzusetzen.

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